Dating für Behinderte

Wer in Deutschland an einer Behinderung leidet, fühlt sich schnell ausgeschlossen vom gesellschaftlichen Leben. Nicht nur alltägliche Dinge werden dabei zu einer Herausforderung, sondern auch die Suche nach einem Partner oder einer Partnerin. Doch auch hier gab es in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte. So bringen Partnerbörsen für Behinderte, Menschen mit Handicap zusammen und ermöglichen ein erstes Kennenlernen. Die Börsen sind auf Menschen mit Behinderungen zugeschnitten und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sie unterstützen dabei, neue Menschen kennenzulernen. Insbesondere für behinderte Menschen ist eine enge Bindung zu einem geliebten Menschen ein enormer seelischer Zugewinn. Wir erklären im folgenden Artikel alles rund um Singlebörsen für Behinderte.

Singles mit Handicap

Die Partnersuche außerhalb der Wunschvorstellung ist schon bei der Partnersuche normaler Menschen ein Problem. So sind jüngere Männer bis Mitte 40 meist an schlanken, vollbusigen und schicken Frauen interessiert, während Frauen Ausschau nach großen, athletischen und finanziell gut aufgestellten Männern suchen. Für Singles über 50 wird die Suche nach einem Partner zu einem Problem, da ihnen die vorgeschlagenen Partner meist zu alt vorkommen. Die Tatsache, dass sie selbst auch älter geworden sind, wird dabei oft ausgeblendet. Wenn schon bei normalen Menschen eine solche Vorstellung heranreift, wie schwierig muss die Partnersuche dann erst für Menschen mit Handicap sein?

Partnersuche

Die Partnersuche nach Menschen mit Beeinträchtigung hat zahlreiche Besonderheiten. Dabei muss zunächst die Art der Behinderung betrachtet werden. Ist jemand etwa teilweise oder vollständig erblindet, bringt eine Anzeige in der Zeitung oder im Internet genauso wenig, wie schöne Bilder von Partnern. Wenn eine Gehörlosigkeit vorliegt, scheidet ein langes Telefongespräch zum besseren Kennenlernen automatisch aus. Liegt stattdessen eine erheblich körperliche Beeinträchtigung vor, ist ein spontaner Besuch oder ein Treffen im Kaffee meist eher unrealistisch.

Kaum Unterschiede zu gewöhnlichen Dates

Kann ein Treffen mit der Hilfe von Zug oder Auto stattfinden, ist eine nette Verabredung im Park oder in einem schönen Café dennoch nicht so möglich, wie bei Menschen ohne Behinderung. Die erste Besonderheit ist also die Kontaktaufnahme und auch das Planen des ersten gemeinsamen Treffens. Diese Besonderheiten sind entscheidend dafür, welche Art von Behinderung das Gegenüber haben darf. Es muss sich die Frage gestellt werden, ob der potenzielle Partner am besten dieselbe Einschränkung haben soll wie man selbst, oder gar eine andere. Vielleicht soll es sich auch um einen Menschen ohne Behinderung handeln. Diese Fragen entscheiden über den Ablauf der Kontaktaufnahme.

Das ist anders als bei gewöhnlichen Partnersuchen im Netz

Hierbei stehen drei verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. So gibt es Partnerbörsen, die sich voll und ganz auf Menschen mit einem ganz bestimmten Handicap konzentrieren. Also etwa eine Börse für Rollstuhlfahrer, Blinde oder Gehörlose sowie Menschen mit geistiger Behinderung. Andere Partnerbörsen wiederum stehen für alle behinderte Menschen offen. Hier spielt die Art keine Rolle. Dabei wird aber die eigene Behinderung offen und transparent genannt. Andere Partnerbörsen wiederum konzentrieren sich auf Toleranz und versuchen auch beeinträchtigte Menschen in Verbindung zu bringen. Die Mehrheit der Mitglieder hat allerdings keine Behinderung. So musst Du mehr oder weniger auf das Verständnis von nicht gehandicapten Mitgliedern hoffen. Dieses Konzept funktioniert mehr oder weniger gut, da Menschen mit Behinderung die absolute Minderheit auf diesen Plattformen sind. Ein Kontakt auf einer Plattform, die sich ganz gezielt nur an Menschen mit Handicap richtet, ist deutlich schneller möglich, allerdings findet man dort auch erheblich weniger Mitglieder.

Die Schwierigkeiten bei der Vermittlung

Je nach Persönlichkeit können Menschen mit Handicap größere oder geringere emotionale Schwierigkeiten bei der Partnersuche haben. Jeder Mensch geht mit diesem Thema sehr individuell um. Der Präsident des Deutschen Bundestages Wolfgang Schäuble sitzt im Rollstuhl und lässt sich seine Geh-Einschränkung weder persönlich noch in seiner politischen Arbeit anmerken. Sein Charakter ist sehr stark und überlegt. Genauso gelassen können Menschen mit Behinderung bei der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin vorgehen, sie können aber auch schnell verzweifeln. Dies passiert auch bei Menschen ohne Einschränkung. Doch es gibt natürlich einen Unterschied. Menschen ohne Handicap können kein Schicksal verfluchen und sich mehr oder weniger für ihr eigenes Glück verantwortlich machen. Menschen mit Behinderung hingegen haben nachvollziehbarer Gründe, die Verantwortung ein wenig von sich zu schieben, denn statistisch gesehen haben sie bei der Partnersuche tatsächlich weniger Chancen. Ein wenig tröstend ist da die Tatsache, dass es beispielsweise Menschen in ländlicher Umgebung, Homosexuelle, Genies und anderen „Randgruppen“ der Gesellschaft bei der Partnersuche ähnlich geht – dennoch ist das kein Grund zum Verzweifeln oder gar Aufgeben.

Die Vorteile von Partnerbörsen für behinderte Menschen

Der große Vorteil bei solchen Plattformen ist natürlich, dass hier Menschen mit ganz ähnlichen Problemen aufeinandertreffen, die jeweils in einer gleichen Situation sind. Auch wenn Du hier auf Menschen ohne Behinderung triffst, haben diese auf jeden Fall ein großes Verständnis und viel Toleranz für behinderte Menschen. Ansonsten hätten sie sich auf der Plattform nicht angemeldet. Mindestens genauso wichtig wie diese Erkenntnis ist die Tatsache darüber, was möglich ist und was nicht. Ein Rollstuhlfahrer kann nicht uneingeschränkt alle Wege nutzen oder alle Verkehrsmittel wählen. Blinde telefonieren lieber, während dieser Kommunikationsweg für Gehörlose ausscheidet. Die sozialen Verhaltensmuster können andere sein. Ein Beispiel wäre hier etwa das Problemfeld von Autisten mit dem Asperger-Syndrom. Diese Einschränkungen können natürlich auch in abgeschwächter Form auftreten. Selbes gilt für Menschen mit Schreibschwäche, Leseschwäche, Orientierungsschwäche oder Menschen, die an manischen Depressionen leiden. Dennoch ist die Partnersuche möglich. Das beste Beispiel ist hier vielleicht der Spanier Pablo Pineda Ferre. Er ist der europaweit erste Mensch mit Down-Syndrom der zwei Hochschulabschlüsse erfolgreich absolviert hat. Dass solche Menschen einen Lebenspartner oder eine Lebenspartnerin finden ist auch den entsprechenden Agenturen zu verdanken.

Gibt es Nachteile von speziellen Anbietern?

Ja, es gibt in diesem Zusammenhang einige Nachteile, für die die Plattformen selbst allerdings nur wenig können. Der Nachteil trifft nicht nur auf Agenturen für Behinderte zu, sondern auch für Agenturen für sehr dicke, sehr dünne, besonders kleine oder große Menschen etc. zu. Der Bestand an Kunden ist dauerhaft sehr gering. Es gibt in der Zielgruppe schlicht zu wenige Menschen, die in einer Region leben. Je fokussierter die Agentur sich auf eine bestimmte Art von Einschränkung konzentriert, desto geringer wird die Auswahl. Dieser Nachteil ließe sich zwar überwinden, oft fehlt es den Anbietern aber an geeigneter Suchmaschinenoptimierung.

Die Vor- und Nachteile im Überblick

Die Vorteile von Partnerbörsen für behinderte Singles

– Menschen mit ähnlichen Problemen treffen aufeinander
– Die meisten Börsen sind gratis
– Oft wird ein kostenloser Telefon-Support angeboten
– Foren und Ratgeber zum Austausch
– Weniger Gefahr mit Diskriminierung konfrontiert zu werden
– Zum Teil kostenfreier Chat
– Möglichkeiten für einen eigenen Blog
– Offener Umgang mit Behinderung
– Austausch über Alltagsprobleme
– Reisepartner finden
– Finden von Freizeitpartner und Freunden
– Erfolge von geglückter Partnersuche als Motivation

Die Nachteile von Partnerbörsen für behinderte Singles

– Weniger Mitglieder als bei anderen Börsen
– Weniger Vermittlungen
– Eingeschränkte Suche in der Umgebung
– Oft viel Werbung bei kostenfreien Börsen
– Fake-Profile sind nicht vermeidbar
– Ein öffentlich einsehbares Profil
– Weniger Funktionen als bei allgemeinen Singlebörsen
– Oft auch veraltete und nicht mehr aktive Profile
– Allgemeine Gefahren beim Online Dating

Beziehung mit Handicap – (k)ein Problem?

Grundsätzlich gibt es Angebote für jede Form des Handicaps, sie sind allerdings nicht immer leicht zu finden, insbesondere wenn das Handicap ein sehr seltenes ist. Es ist daher durchaus ratsam einen Partner zu suchen, der nicht unbedingt dasselbe Handicap hat. Auch wenn es beispielsweise besondere Plattformen für Menschen mit Blindheit gibt, ist der dünne Kundenstamm immer ein Problem. Als Reaktion darauf sind die Plattformen zunehmend dazu übergegangen, eher allgemeine Datingseiten für Behinderte anzubieten – diese sind auch für Menschen geöffnet, die kein Problem damit haben, eine Person mit Handicap zu Daten. Suche am besten nicht sehr gefiltert, also etwa als Blinder nicht nur nach blinden Menschen in der Umgebung.

Viele Menschen mit Behinderung lehnen Datingseiten ab

Es gehört leider zur Wahrheit, dass viele Menschen öffentlich von Toleranz sprechen und in den Sonntagsreden über Vielfalt und Gleichheit aller Menschen predigen, im Alltag allerdings nur wenig Toleranz für Menschen mit Handicap zeigen. Der Mensch ist leider ein eitler Geselle, der oft viel Wert auf das eigene Können, die Hobbys, den Beruf, die Familie und Statussymbole legt. Natürlich trifft auch das nicht auf alle Menschen zu und dennoch bewerten Menschen andere Menschen oft danach, ob er ihnen das Wasser reichen kann. Während die einen Menschen ohne Behinderung gerne einmal ihre Autos vergleichen, betonen wiederum Konsumverweigerer demonstrativ, dass sie keins besitzen. Wer als Mann muskulös und groß ist, hebt das gerne in seinem Profil hervor. Frauen mit einem sportlichen Körper lassen sich gerne vom Fotografen ablichten und erscheinen in den Profilen der Datingseiten wie ein Model aus dem Katalog. Eine gewisse Oberflächlichkeit ist bei Menschen ohne Handicap also nicht abzustreiten. Es ist also nachvollziehbar, dass behinderte Menschen keine Lust haben auf solche Menschen zu treffen und sich lieber mit Gleichgesinnten auf speziellen Plattformen aufhalten.

Die Suche auf einer durchschnittlichen, gewöhnlichen Singlebörse wird deshalb von vielen Betroffenen abgelehnt. Zu groß ist die Angst vor Ablehnung und Diskriminierung zu weit entfernt liegen die jeweiligen Welten. Datingplattformen, die auf Menschen mit Handicap zugeschnitten sind, leisten also hier einen wichtigen Beitrag und sind für die Betroffenen oft die einzige Möglichkeit, einigermaßen unbeschwert Ausschau nach potenziellen Partnerinnen und Partnern zu halten.